Vereinsgeschichte

Als nach dem Ende des zweiten Weltkrieges im Mai 1946 die Kriegsteilnehmer wieder in ihre Heimatgemeinden zurückgekehrt waren, musste man sich den Vorschriften der amerikanischen Besatzungsmacht unterwerfen. Dabei stellte sich in Hinterskirchen ziemlich schnell die Frage „ Wie soll die schon seit Jahren bestehende Kameradschaft des Schützenvereins „Edelweiß“ – der jetzt leider verboten ist – weiter gepflegt werden?“ Mit dem Ziel, diesen bestmöglich zu ersetzen, kam man schließlich auf die Idee, einen Gesellschaftsverein oder eventuell sogar einen Trachtenverein zu gründen. Am 30.12.1946 saßen aus diesem Grund sechs Männer und eine Frau im Gasthaus Rampl zusammen.  Johann Speer, Josef Maierthaler, Georg Zankl, Albert Holzner und Maria, Josef und Xaver Rampl kamen zu dem Entschluss den Gebirgstrachten-Erhaltungsverein „Edelweiß“ aus der Taufe zu heben.

Wichtigstes Ziel dieses Vereins sollte es sein, das Dorfleben nach den Wirren des Krieges wieder zu beleben. Weiter ist in der Vereinschronik als Sinn und Zweck dieser Gründung die “Pflege der heimatlichen Sitten und Gebräuche, sowie die Aufführung von Theaterstücken und das Tanzen alter Volkstänze in südbayerischer Volkstracht“ festgehalten. Am 01. Februar 1947 wurde die  Gründungsversammlung abgehalten bei der 62 Mitglieder ihre Vorstandschaft wählten. Bereits zwei Wochen später veranstaltete man einen Vereinsball und schon im April wird das erste Theater“ s`Glück vom Riedhof“ auf der selbst gezimmerten Bühne zum Besten gegeben. Damit nahm auch die langjährige Tradition des Theaterspiels in Hinterskirchen seinen Anfang. Die darauffolgenden regelmässigen Theateraufführungen sollten den finanziellen Grundstein für die Einkleidung der Vereinsmitglieder legen.

Aufgrund der ständig steigenden Inflation während der Nachkriegszeit ging man schließlich dazu über, Lederhosen, Hüte, Dirndlstoffe und andere Trachtenartikel mit Naturalien wie Fleisch, Fett, Eiern und Mehl zu bezahlen . Die Währungsreform vom 20. Juli 48 stellte den Verein wieder auf eine harte Bewährungsprobe. War doch all das mühsam erarbeitete Geld plötzlich wertlos. Doch kurz entschlossen legten die Mitglieder ihr Kopfgeld von 40,— DM zusammen und kauften 30 Meter Lodenstoff, woraus die ersten original Miesbacher Trachten entstanden. Nach dem Umbau des Rampl – Saales wurden mit musikalischer Unterstützung von Alois Gruber die ersten Plattler erlernt. Der Verein schloß sich dem Gau Niederbayern an, was, wie die Chronik von damals berichtet, ein Fehltritt sein sollte. Zu hohe Beiträge sowie Unstimmigkeiten bewegten den Verein zusammen mit dem Bruderverein aus Landshut, sich im Jahre 1949 dem Isargau in München anzuschließen. Erstmals wurde in diesem Jahr auch eine Fahne in Auftrag gegeben. Darüber hinaus fanden erste Auftritte in der neuen Miesbacher Tracht statt, so z.B. beim Jubiläumstrachtenfest in Landshut mit 45 Trachtlern. Ebenso beteiligte sich der Verein erstmals am Oktoberfesttrachten- und Schützenzug in München, bei dem man seither alle 2 Jahre mitmacht.

Am 1.-2. Juli 1950 war es dann soweit: Pfarrer von der Grün weihte die neue Fahne unter Beteiligung von 16 geladenen Vereinen. Als Patenverein fungierte der Bruderverein Almenrausch Landshut. Im August wurde die erste Volkstanzgruppe gegründet, deren Trachten zum Großteil aus vorhandenen Beständen alter Bauernhäuser stammten. Bereits 3 Wochen später findet in Ruhpolding der erste Auftritt in Volkstracht statt. Die Zahl der Vereinsmitglieder steigt ständig, 1952 tragen bereits 107 Männer und Frauen eine Tracht.

Die Gründung eines Spielmannszuges wurde in Angriff genommen. Im Mai 1953 gaben 12 Trommler und Pfeiffer unter der Leitung von Alois Gruber bei der Fahnenweihe der FFW Hinterskirchen ihr Debüt und wurden bald zu einem Aushängeschild des Trachtenvereins. Unzählige Veranstaltungen wurden umrahmt, auch der Verein selbst hatte jetzt bei allen Festen eine musikalische Unterstützung. Seit dem Beitritt zum Isargau ist das alljährliche Gaufest ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender.

Die nächste erwähnenswerte Station in der Vereinsgeschichte führt in das Jahr 1958: man beschließt die Umstellung des gesamten Vereins auf Volkstracht. Äußerste Sparsamkeit wurde auferlegt, des Weiteren entschied man sich dafür, bis auf weiteres auf den Besuch von Festen aller Art zu verzichten. Für’s Erste wurden 14 Dirndltrachten in Eigenregie genäht und der  Schneider Peter Huber fertigte 22 Burschentrachten.

Dann, 1961 war es endlich so weit. In Dachau präsentierte sich der Trachtenverein Hinterskirchen das erste Mal als kompletter Volkstrachtenverein. Unverzüglich gründete man erneut eine Volkstanzgruppe, die unter der Regie von Rudi Dullinger aus München eifrig viele neue Tänze einstudierte, und damit das Vereinsleben erneut aktivierte.

In geselliger Runde eröffnet der Vereinswirt Rampl der Vorstandschaft des Vereines, dass die Versteigerungshalle in Landshut zum Verkauf anstehe. Nach eingehender Beratung entschließt sich Xaver Rampl dazu, den Haupttrakt zu erwerben, und diesen in Hinterskirchen als Veranstaltungshalle wieder aufzustellen. Viele Skeptiker schüttelten zwar den Kopf, jedoch war dies auch der Grundstein dafür, daß in dem kleinen Ort seitdem alljährlich auch ein witterungsunabhängiges Volksfest abgehalten werden kann. Das gute Verhältnis zwischen dem Verein und dem Gastwirt war Voraussetzung dafür, dass sich zahlreiche Trachtler beim Aufbau der Halle beteiligen. Der Termin für die Einweihung der Halle mit gleichzeitiger Segnung der neuen Trachtenvereinsfahne wurde auf den 09./10. September 1967 festgelegt.

Organisatorische Maßnahmen für die Fahnenweihe mußten jedoch nebenbei bewältigt werden, da es galt, mit den Handwerksarbeiten fertig zu werden. So kam es auch, dass erst am Nachmittag des 9. September kurz vor Beginn des großartigen Heimatabends der letzte Handwerker die „neue“ Halle verließ. Für den Sonntag wurden 34 Vereine geladen und 1300 Trachtler boten ein farbenfrohes Fest. Im darauffolgenden Jahr nahm man wieder eine Baumaßnahme in Angriff – das „Theaterkammerl“. Direkt hinter der Bühne wurde in Eigenleistung ein beheizbarer Raum in den Holzschuppen des Vereinswirts eingebaut. In der Zwischenzeit war man besonders aktiv bei der Gestaltung von Heimatabenden und dem Besuch von Fahnenweihen, so dass man sich auch für das nächste größere Ereignis der Vereinsgeschichte, der Beteiligung an der Schlussfeier der Olympischen Spiele 1972 in München empfehlen konnte.

Mit 32 Mitwirkenden stellte Hinterskirchen unter 40 anderen, meist gemischten Gruppen der verschiedenen Gaue, eine eigenständige Gruppe. Leider stand dann die Schlussfeier selbst unter dem Schatten des grausamen Attentats während der Spiele. Die zu dieser Zeit gut formierte Tanzgruppe, die sowohl vom Alter her als auch vom tänzerischen Können ein einheitliches Bild darbot, empfahl sich in den Folgejahren auch für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Montreal. So traten 8 Paare im Auftrag der Landeshauptstadt München dieses Abenteuer vom 13. -20. Juli 1976 an.

Ebenfalls im Jahr 1976 erlernten Jakob Bauer und Sepp Hanslbauer von befreundeten Schnoizern das Goaslschnoizn. Bald formierten sich mehrere junge Männer um die beiden und begeisterten unter der musikalischen Begleitung von Wast Obermeier mit Auftritten in der Hinterskirchner Volkstracht.

Des Weiteren wurden die Vereinsmitglieder auch zu verschiedenen Filmaufnahmen gerufen, so z.B. 1978 zum Film ‘Die Apostelwäscher“ oder 1981 zum ‘Glockenkrieg“. Ein großes Erlebnis war für viele Vereinsmitglieder der Besuch des Jahrhunderttrachtenfestes in München 1983, bei dem man sich mit stattlichen 202 Personen beteiligte. Im gleichen Jahr beschloss man, die Burschentracht derart zu vervollständigen, dass man die glatten Schaftstiefel gegen Faltenstiefel tauscht. Dieses Unterfangen, es war die größte finanzielle Ausgabe des Vereins, machte es notwendig, dass man aus Sparsamkeitsgründen sogar auf die obligatorische Teilnahme am Gaufest 1985 verzichtete. Viele Mitglieder erklären sich dazu bereit, die Kosten dafür vollständig oder teilweise zu übernehmen. Um baldmöglichst wieder ein einheitliches Auftreten zu ermöglichen. Nicht ohne Stolz präsentierte sich der Verein bereits 1986 beim Gaufest mit 224 Trachtlern, noch dazu alle Männer in den neuen Faltenstiefel.

Es folgten zahlreiche internationale Auftritte wie im Jahr 1987 das internationale Folkloretreffen in Pietra Liguri an der italienischen Riviera. Außerdem war die Kindergruppe mit 11 Paaren beim Europäischen Kinderfest 1989 in Belgrad vertreten. In den Jahren 1993 und 1994 beteiligte man sich in Verbindung mit dem deutsch-italienischen Verein zweimal an einer mehrtägigen Reise nach Rom und Umgebung. Dort wurde täglich an verschiedenen Orten niederbayerische Kultur mit dem Ziel der Völkerverständigung dargeboten. 2006 folgte eine weitere Romreise mit Papstaudienz.

Nicht unbedeutend war der Schritt eine historische Gruppe nach überlieferten Vorlagen zu gründen. Schrittweise wurden ab 2006 zunächst acht Dirndl in der historischen Form eingekleidet, bald darauf begann man auch die Burschen mit einem historischen Gehrock auszustatten. Dies war natürlich wieder einmal eine ideelle wie auch finanzielle Herausforderung.

Im September 2006 wurde das 60-jährige Bestehen verbunden mit dem 13. Historischen Trachtentreffen gefeiert.

Für die Jugend war im Juni 2007 der Besuch des Kultur- und Brauchtumswochenende der Bayerischen Trachtenjugend in Altusried ein besonderes Ereignis. Auf der Allgäuer Freilichtbühne feierten über 3.000 Trachtler einen Festgottesdienst. Ein bunter Festzug mit 5.000 Teilnehmern wurde damals live im Bayerischen Fernsehen übertragen, die Hinterskirchner beteiligten sich mit 20 Jugendlichen.

Im Zeitraum vom 11. November 2004 bis etwa Ende 2010 beteiligten sich ca. 30 Frauen und überwiegend Männer vom Trachtenverein Hinterskirchen bei der Errichtung des Trachtenkulturzentrum’s in Holzhausen. In Eigenleistung unterstützten unsere Trachtler mit vielen weiteren Helfern aus ganz Bayern und auch Nordamerika den Umbau zum heutigen Trachtenkulturzentrum. Dieses beheimatet u.a. die Geschäftsstelle des Bayerischen Trachtenverbandes und der Trachtenjugend mit Seminarhaus und Veranstaltungsstadl, sowie ein Museum für Trachtenkultur- und Geschichte. Vorrangig wurde in dieser Zeit am ehemaligen Pfarrhof das Pfarrhaus, der Stall und der Stadl umgebaut und renoviert. Unsere Frauen unterstützen diese Aktion auch mit der Spende von Kaffee und Kuchen, um den freiwilligen Helfern am Wochenende den oftmals schweren Arbeitstag zu versüßen.

Ein sehr besonderes Erlebnis durften im August 2012 rund 1.000 Pilger und Trachtler aus dem Erzbistum München und Freising erleben. Mit einem Sonderzug reiste man nach Rom, unter Ihnen eine circa 30-köpfige Gruppe aus Hinterskirchen. In der Sommerresidenz Castel Gandolfo durfte der Sicheltanz  am 3. August 2012 bei einem großen bayerischen Ehrenabend zu Ehren des 85. Geburtstags von Papst Benedikt XVI. aufgeführt werden. Gemeinsam mit vielen weiteren bayerischen Plattler-, Gesangs- und Musikaufführungen wurde ein Stück Bayern nach Rom gebracht.

Im Jahr 2016 wurde die Hinterskirchner Holzlandtracht vom Deutschen Trachtenverband dann schließlich zur Tracht des Jahres gewählt. Diese Auszeichnung durfte im Rahmen den Deutschen Trachtentages von Ministerpräsident Horst Seehofer im neu eröffneten Trachtenkulturzentrum entgegengenommen werden.

Am 16.05.2018 fanden im Volksfestzelt in Velden Dreharbeiten zur beliebten Vorabendserie „Dahoam is Dahoam“ des Bayrischen Rundfunks statt. Unter den Komparsen befanden sich dabei mehrere Tische, die mit Hinterskirchner Trachtlern besetzt waren.

Einer großen Herausforderung stellten sich im Jahr 2022 die Jugendlichen bis 14 Jahre. Im Rahmenprogramm der European Championships durften sie auf der Hauptbühne auf dem Olympiasee in München auftreten.

Die Jugendarbeit zeigt sich immer wieder als eine besondere Herausforderung, aber auch als die große Stärke des Vereins. Junge Leute für die Ziele des Vereins zu begeistern ist in der heutigen Zeit keine leichte Aufgabe, bisher ist es dank vieler engagierter Vereinsmitglieder immer wieder gelungen eine hervorragende Vereinsjugend mit  Tanzgruppen von klein bis in das Erwachsenenalter zu formen. Bei vielen regionalen Veranstaltungen wie Maibaumaufstellen, Märkten, Volksfesten, bei Geburtstagen oder auch bei Seniorennachmittagen und in Pflegeeinrichtungen wird das bayerische Brauchtum mit Tanzauftritten gezeigt und das Publikum begeistert.

Soweit möglich beteiligt sich der Verein immer wieder gerne an nationalen und auch internationalen Begegnungen. Hervorgehoben sei hier die mehrmalige Teilnahme an der Grünen Woche in Berlin, zuletzt im Jahr 2025 oder das Landesjugendtrachtenfest im Juni 2026 in Pfaffenhofen an der Ilm. Dies sind immer willkommene und besondere Erlebnisse im Vereinsleben.

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