Volkstrachtenverein Hinterskirchen e.V.

Hinterskirchen liegt etwa in der Mitte zwischen den Marktflecken Velden und Geisenhausen. Der Ort Hinterskirchen mit den umliegenden Weilern und Einöden gehörte bis zum 30. April 1978 zur Gemeinde Vilslern. Im Zuge der Gebietsreform wurde diese Gemeinde aufgelöst und das Gebiet aufgeteilt. Etwa die Hälfte wurde in
den Markt Velden eingemeindet. Die andere Hälfte mit Hinterskirchen und Umgebung gehört seit 01. Mai 1978 zur Gemeinde Neufraunhofen.

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Die „graue Vorzeit“ Hinterskirchens liegt weitgehend im Dunkeln. Man darf annehmen, dass auch das Lernbachtal altes Siedlungsgebiet war. Im Burgholz, unweit des Dorfes, südöstlich gelegen, hatten sich wohl die Kelten oder ihre Vorfahren festgesetzt. Man fand Überreste von Wall, Graben und Zisterne. Auch die Römer zogen vorbei, Scharen von Legionären, Kuriere, Statthalter auf der Römerstraße von Süden über Haag, Landshut nach Regensburg, dem römischen Stützpunkt Castra Regina.

Hinterskirchen war Sitz eines bäuerlichen Adelsgeschlechts, und Martin, der Hinterskirchner, gestorben 1450, liegt im Gotteshaus begraben. Seinen Bruder Thomas zog es hinaus in die Fremde. Er kam an die Hohe Schule in Ingolstadt und wurde Jägermeister an der Neuburgischen Pfalz.
Die Spuren der Edlen von Hinterskirchen verlieren sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 1569 wird ein Haus Dietrich Hinterskirchner zu Obervilslern erwähnt, der salzburgischer Kastner in Mühldorf war.

Sicher was das Herrenhaus der Hinterskirchner kein besonders aufwendiges oder prachtvolles Schloss. Aber es war doch größer als die Anwesen der umliegenden Bewohner. Der Sedlmayerhof z.B. wird beschrieben als „ein Wohnhaus, von Holz gebaut samt Pferdestall, ein gemauerter Kuhstall, eine Wagenschupfe und darauf ein Getreidekasten“. Der Wagnerhof bestand gar nur aus einem „hölzernen Wohnhaus mit Stallung und Stadl, dann Schupfen und gemauertem Backofen“. der Hinterskirchner Adelssitz jedenfalls dürfte alle überragt haben. Er stand dort, wo sich heute das Schulhaus im Dorf befindet.

Wenige Minuten davon entfernt, auf einer Anhöhe hinter der heutigen Festhalle, soll der Platz für ein anderes Schlösschen oder Herrenhaus gewesen sein. Dort befand sich die Hofmark Stolzenberg. Ein weiterer Adelssitz wird bachabwärts in Niederbayerbach genannt. Das Lernbachtal war in früheren Jahrhunderten lehenspflichtig den Herren von Neufraunhofen. Dort steht noch heute das große Schloss dieser alten Adelsfamilie, die ihre Grundherrschaft über die alten Lehensgebiete im Jahre1848 auflösen musste.

Seit jener alten Zeit der Lehen und der Pächter hat sich viel geändert. Aus den Abhängigen wurden selbstständige Bauern und Bürger, die ein bemerkenswerter Gemeinschaftsgeist zusammenhält. Gerade die Vereine sind dafür ein deutlicher Beweis.

 

Das Hinterskirchner Gotteshaus

Weiß und Gold. Das sind die vorherrschenden Farbtöne der Kirche St. Mariä Himmelfahrt zu Hinterskirchen: Ein Dreiklang geschmackvoller Harmonie.Nicht die überladene Buntheit manch altbayerischer Bauernkirchen findet man in Chor und Schiff, sondern ein wohl abgestimmtes Gleichgewicht.

Dabei ist das Hinterskirchner Gotteshaus alles andere als das Ergebnis einer einzigen Bauepoche. Viele Stilrichtungen und Geschmäcker haben die Kirche beeinflusst. Sie wurde um- und ausgebaut, so manche Handwerker und Künstler drückten ihren Stempel auf.

Aus dem 15. Jahrhundert, also der Zeit der Spätgotik, stammt der Chor. Er wird von  zwei Jochen gebildet und endet in drei Achteckseiten. Der Altarraum wurde in der Zeit des Barock verändert. Dabei wurden die gotischen Gewölberippen abgeschlagen. An den Wänden rechts und links stehen zwei Holzfiguren aus der gleichen Zeit, der hl.  Simon und die hl. Theresia in braungoldenen Kutten. Der Turm ist jüngeren Datums als der Chor. Sein einfacher, quadratischer Unterbau trägt einen achteckigen Aufsatz und die Kuppel. Diese Merkmale eines ‘bewegten“ Aufbaus verweisen auf den Baustil  des 17. Jahrhunderts. Später wurden seitliche Anbauten angebracht.

Der jüngste Teil der Kirche ist das Langhaus. Es wurde in den Jahren 1909 bis 1913 erbaut. Vorher war das Gotteshaus wesentlich kleiner ,ein Kirchlein, eine Kapelle. Der Neubau verbreitete und verlängerte den Raum für die Gläubigen.
Der schöne Hochaltar mit zwei Säulen und Rokokomuschelwerk an den Seiten wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts geschaffen. Von ganz besonderem künstlerischen Rang ist die Holzstatue der Heiligen Maria vor einem goldenen Strahlenkranz in der Mitte des Altars. Unsere Liebe Frau, zu der in früheren Zeiten viele Menschen aus der weiteren Umgebung pilgerten und um Fürsprache und Hilfe in persönlicher Not baten, trägt auf dem linken Arm das nackte Jesuskind. In der Rechten hält sie das Zepter. Bemalung, Fassung und vor allem der charakteristische schwingende Faltenwurf geben dem Kunstsachverständigen einen deutlichen Hinweis auf die Zeit der Entstehung: Das Standbild ist ein Werk der späten Gotik, also jener Zeit, in der auch der Chor gebaut wurde. Älter noch ist die bemalte Holzfigur der Mater Dolorosa in einer Nische an der rechten vorderen Langhauswand. Sie ist ein eindrucks-
volles Meisterwerk aus der Gotik des 14. Jahrhunderts. Dem Betrachter fällt vor allem das Gesicht der Statue auf. Strebte die Baukunst jener Zeit nach Auflösung der drückenden Mauermasse durch schlanke, hochgezogene Pfeiler und spitze Bögen, so versuchte die Plastik die menschliche Gestalt immer mehr zu entkörperlichen, zu vergeistigen. Glatte und entrückte Gesichtszüge charakterisieren deshalb viele gotische  Bildnisse. Die Schmerzensreiche Mutter von Hinterskirchen aber hält sich nicht an dieses Ideal. Sie hat ein bäuerliches Gesicht, geprägt vom harten Leben auf dem Land, und man kann eindrucksvoll beobachten, wie der tiefe Glaube und die Innerlichkeit selbst in ihr kantiges Antlitz Ausgeglichenheit bringt.

Der Kunstfreund wird auch die kleine Pieta an der hinteren Querwand bemerken. Auch sie ist sehr schön und sehr alt. Sachverständige schätzen ihr Alter auf mehr als 500 Jahre. Das Hinterskirchner Gotteshaus bringt viele Kostbarkeiten und geschmackvolle Einrichtungen. Zu erwähnen sind noch der auf Leinwand gemalte Kreuzweg aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Kanzel, in der Stilelemente des Rokoko und des  Klassizismus ineinander gehen, die Stuhlwangen mit kunstvoll geschnitztem Muschelwerk aus dem späten Barock oder die Grabsteine, die in die südlichen Langhausmauern eingelassen sind. Der größere kündet von Christoph Kneittinger,  Edlem von Niederbayerbach, der 1577 verstorben ist, und seiner Frau.

Besondere Beachtung sollte man auch der Ausschmückung aus der Zeit des jüngsten Langhausbaus schenken. Die Fresken wurden von einem Pasinger Maler geschaffen, die Seitenaltäre von einem Münchener Künstler. Unverkennbar ist der Einfluss des Jugendstils, auch in den Stuckarbeiten. Man kann derartige Besonderheiten wohl selten in einer bayerischen Landeskirche finden.

Renovierung der Kirche von 1983 bis 1988

Unter der sehr rührigen Anleitung von Pfarrer Gabriel Kreuzer wurde zunächst die  Außen- und im Anschluss die Innenrenovierung vorgenommen. Durch unzähligeArbeitsstunden, die viele freiwillige Helfer leisteten, konnten die Kosten gesenkt werden. Besonders hervorzuheben sind die unermüdlichen Arbeitseinsätze des damaligen Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden Matthäus Sedlmayr und des leider viel zu früh verstorbenen Kirchenpflegers Bartholomäus Bauer.